Evokens Funeral Doom/Death Metal-Debüt-EP remastered und neu aufgelegt! Roh, düster und unverzichtbar!
Doom Metal, das vielleicht vielfältigste aller Metal-Genres, hat sich mit vielen anderen Genres vermischt, und überraschenderweise war diese Kreuzung oft sehr fruchtbar. Während die „Funeral”-Variante des Doom Metal wie etwas klingt, das nicht die genetischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kreuzung mit anderen Metal-Genres mitbringt, funktioniert ihr Nihilismus überraschend gut, wenn er mit verlangsamten Death Metal gemischt wird. Zu den Meistern dieser grausigen Fusion gehören Evoken aus den Vereinigten Staaten.
„Shades of Night Descending“ ist die erste Aufnahme von Evoken, die 1994 veröffentlicht wurde, und für ein Debütalbum ist es ein überraschend ausgereiftes Werk. Die späteren Werke von Evoken haben eine dichtere Klangwand und enthalten viele Produktionstricks, aber die Abweichungen von der hier vorgestellten Grundformel sind im Wesentlichen eher eine Verfeinerung als eine tatsächliche Neukonzeption des Formats. Vielleicht ist die Musik von derselben Funeral-Death-/Doom-Metal-Sorte wie auf den späteren Alben, bis hin zu den exzellenten „Antithesis of Light“ und „A Caress of the Void“, aber die ungeschliffene Produktion auf „Shades of Night Descending“ mit ihrem kargen Charakter und der fast schon schwerfälligen, hallenden Klanglandschaft bringt den Nihilismus des Funeral Doom besser zur Geltung wirksam hervor als die professionelleren Produktionen der späteren Alben. Die Atmosphäre auf dieser Aufnahme ist düsterer, noch unversöhnlicher und vielleicht sogar verzweifelter und abstoßender im positiven Sinne als auf „A Caress of the Void”. Selbst der recht melodische Gitarrenpart in „Towers of Frozen Dusk“ und andere sanftere Stellen auf der Demo haben einen Geschmack von Asche und fühlen sich an wie Bimsstein; Evoken bewegt sich hier auf einem musikalischen Lavafeld und schafft es, die wahre Bedeutung von Funeral Doom in langsamen Death-Metal-Farben auf die Leinwand zu bringen.
Im Vergleich zu ihren späteren Werken ist dies vielleicht die Essenz der gesamten Band in ihrer ursprünglichen, reinen Form. In Anbetracht des Jahres und der Tatsache, dass diese Aufnahme von einer erst kürzlich gegründeten Band stammt, sind die Originalität und die gnadenlose Erforschung neuer Bereiche des abrasiven Nihilismus erstaunlich. Darüber hinaus klingen das Songwriting und die technische Ausführung außergewöhnlich ausgereift. Es sollte jedoch noch vier Jahre dauern, bis sie „Embrace the Emptiness“ veröffentlichen konnten – vielleicht war die Welt zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht bereit dafür.
Hammerheart Records
Tracklist:
Side A
1. Intro
2. In Graven Image
3. Shades of Night Descending
Side B
4. Towers of Frozen Dusk
5. Into the Autumn Shade